
Unter einer Hochspannungsleitung bei Niederaichbach bekommen Spaziergänger leichte Stromschläge - insbesondere wenn die Wiesen feucht sind. Im Rathaus häuften sich die Hinweise von Bürgern. Der Bayerische Rundfunk berichtete darüber.
Nun ist eine Lösung des Problems in Sicht, wie sowohl der Bürgermeister der Gemeinde im Landkreis Landshut als auch eine Sprecherin des Netzbetreibers Tennet sagen. Vorerst rät Rathauschef Josef Klaus den Anwohnern, die Spazierwege entlang der Stromleitung zu meiden,
Grenzwerte erheblich überschritten
Als er erstmals von dem Problem hörte, habe er gedacht: "So ein Schmarrn", sagte Bürgermeister Klaus. Dann habe er es ausprobiert und festgestellt, dass es unter der 380-Kilovolt-Leitung in der Nähe des Kernkraftwerkes Isar II tatsächlich in den Fingern knistere oder an den Beinen kribbele. Die Gemeinde gab ein TÜV-Gutachten in Auftrag und kontaktierte den Netzbetreiber. Das Gutachten zeigte, dass Grenzwerte erheblich überschritten seien, sagte Klaus. Tennet will Abhilfe schaffen.
Stromschläge sind Gesundheitsrisiko
Nicht nur unangenehm und teilweise schmerzhaft fühlen sich die Stromschläge an, sie können auch zu einem Gesundheitsrisiko werden - etwa für Menschen mit Herzschrittmacher.
Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz gibt es nachgewiesene Auswirkungen auf die Gesundheit, wenn die Grenzwerte überschritten werden. Die elektromagnetischen Felder erzeugen im Körper Wärme. Kann diese vom Körper etwa durch Schwitzen nicht mehr selbst reguliert werden, begünstigt dies bei langanhaltender Überwärmung etwa im Augenbereich die Entstehung von grauem Star und anderen Augenkrankheiten. Das Gehirn und die Hoden sind ebenfalls besonders wärmeempfindlich. Im Tierexperiment wurden auch Störungen der Embryonalentwicklung beobachtet.
Leitung muss mehrere Wochen vom Netz
Einer Sprecherin zufolge hat es Anfang der 90er-Jahre bei Stürmen häufig Probleme mit der Leitung gegeben, weil diese dann "tanzte" und es zu Kurzschlüssen kam. Daraufhin sei 1994 die Phasenzuordnung der Leitungen umgestellt und das Problem gelöst worden. Dass das wiederum zu Stromschlägen unter der Leitung führte, sei dem Unternehmen erst in diesem Jahr zugetragen worden.
Um auch dieses Problem abzustellen, müssten die Phasen erneut neu angeordnet werden. Hierfür müsse die Leitung für mehrere Wochen vom Netz genommen werden, was mit anderen Netzbetreibern koordiniert werden müsse. Zudem werde eine Genehmigung der Regierungen von Niederbayern und Oberbayern benötigt. Das sei in die Wege geleitet worden, sagte die Sprecherin des in Bayreuth ansässigen Unternehmens. Bürgermeister Klaus hofft, dass das Problem der Stromschläge im Laufe des kommenden Jahres abgestellt werden kann.
Niederaichbach Endpunkt des Südostlinks
Nach jetzigem Stand ist Niederaichbach als Endpunkt des umstrittenen Südostlinks geplant, der durch die Oberpfalz und Niederbayern verlaufen soll. Niederaichbach soll der Standort von großen Konverteranlagen werden, die den Gleichstrom in das bestehende Wechselstromnetz einspeisen und weitertransportieren.
September 05, 2020 at 02:19PM
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